Zahlungsdienstleister für den Shop wählen: Kriterien
Kurz gesagt
Wählen Sie einen Zahlungsdienstleister, indem Sie jedes Angebot mit denselben acht Kriterien prüfen: Zahlarten für Ihre Länder, Preismodell mit allen Gebührenfeldern, Integration im Checkout, Auszahlung, Erlaubnis und Aufsicht, Sicherheit, Streitfälle und Ausstieg. Ein fehlendes Muss scheidet ein Angebot aus; Preise vergleichen Sie mit Ihrem eigenen Bestellvolumen. Das gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Das Wichtigste
- Acht Kriterien: Zahlarten je Land, Preismodell, Integration im Checkout, Auszahlung und Abrechnung, Erlaubnis und Aufsicht, Sicherheit und Datenschutz, Streitfälle und Rückbuchungen, Ausstieg.
- Preise werden nicht aus Prozentangaben abgelesen, sondern mit Ihrem Bestellvolumen und Ihrem durchschnittlichen Warenkorb nachgerechnet; die Rangfolge zweier Angebote kann sich mit der Warenkorbgröße umkehren (Beispielrechnung im Artikel).
- Die Integrationsart (Weiterleitung, eingebettete Eingabefelder, direkte Schnittstelle) bestimmt nach der Beschreibung des PCI Security Standards Council, ob Zahlungsdaten über Ihr System laufen; fragen Sie schriftlich, welche Sicherheitsnachweise der Vertrag dafür verlangt.
- PCI DSS ist ein Standard des PCI Security Standards Council; ob und wie ein Händler ihn nachweisen muss, entscheiden nach Angabe des Rates die Organisationen, die Compliance-Programme führen, etwa Kartenorganisationen oder Acquirer.
- Alle Preise in diesem Artikel sind erfundene Beispielwerte; Pflichten Ihres Landes zu Zahlarten und Entgelten klären die verlinkten Rechtsartikel.
Dieser Artikel zeigt, nach welchen Kriterien Sie Zahlungsdienstleister für Ihren Onlineshop vergleichen. Welche Zahlarten Sie anbieten, behandelt Zahlungsarten im Onlineshop; die Unterschiede der Begriffe Gateway, Zahlungsdienstleister und Acquirer erklärt Payment-Gateway, PSP und Acquirer. Anbieter nennt der Artikel nicht, und er reiht auch keine.
Was ein Zahlungsdienstleister für den Shop übernimmt
Ein Zahlungsdienstleister (englisch PSP, Payment Service Provider) verbindet Ihren Checkout mit den Zahlarten, die Ihre Kundinnen nutzen sollen, und sorgt dafür, dass das Geld bei Ihnen ankommt. Wie diese Aufgaben auf Anbieter verteilt sind, unterscheidet sich je Angebot: Ein Vertrag kann Zahlarten, Abwicklung und Auszahlung bündeln; es kann auch getrennte Verträge geben. Fragen Sie deshalb immer, mit wem Sie den Vertrag über die Zahlung schließen und wer für Sie auszahlt.
Die Kriterienmatrix
Die Spalte “Frage an den Anbieter” lässt sich unverändert in einen Fragebogen übernehmen. Antworten halten Sie schriftlich fest.
| Kriterium | Warum es zählt | Frage an den Anbieter | So prüfen Sie es |
|---|---|---|---|
| Zahlarten je Land | Ihre Kundinnen sollen in Ihren Ländern mit den gewünschten Zahlarten bezahlen können | Welche Zahlarten sind für Deutschland, Österreich und die Schweiz im Vertrag enthalten, welche kosten extra? | Zahlartenliste aus Zahlungsarten und DACH-Unterschieden gegen das Angebot halten |
| Preismodell | Die Gesamtkosten ergeben sich aus allen Gebührenfeldern, nicht aus einem Prozentsatz | Welche Gebühren fallen an, und welche Felder aus der Preismodell-Tabelle stehen im Vertrag? | Nachrechnen mit dem eigenen Bestellvolumen (Beispiel unten) |
| Integration im Checkout | Sie bestimmt den Einbau, die Optik und welche Zahlungsdaten Ihr System selbst verarbeitet | Welche Integrationsarten gibt es für mein Shopsystem, und was ist im Preis enthalten? | Testbestellung in jeder Variante (Abschnitt zu den Integrationsoptionen) |
| Auszahlung und Abrechnung | Sie brauchen die Zahlungen rechtzeitig und in einer Form, die Ihre Buchhaltung lesen kann | Wie oft und in welcher Währung wird ausgezahlt, was kostet die Auszahlung, gibt es Einbehalte? | Probeabrechnung und Format ansehen (Payment-Abrechnung verbuchen) |
| Erlaubnis und Aufsicht | Sie geben dem Anbieter Geld und Kundendaten in die Hand | Welche Erlaubnis oder Registrierung hat der Anbieter für seine Tätigkeit, bei welcher Aufsichtsbehörde ist sie nachprüfbar? | Angabe in einem Register der genannten Behörde nachschlagen |
| Sicherheit und Datenschutz | Zahlungsdaten und Kundendaten müssen geschützt sein | Wie werden Karten- und Kundendaten geschützt, wo werden sie verarbeitet, welche Sicherheitsnachweise (zum Beispiel PCI DSS) bestehen, wird ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung angeboten? | Nachweise anfordern; Datenschutz siehe Auftragsverarbeitung |
| Streitfälle und Rückbuchungen | Rückbuchungen und Erstattungen kosten Zeit und Geld | Wer trägt welches Risiko bei Rückbuchung und Zahlungsausfall, wie läuft das Verfahren, welche Fristen und Gebühren gelten? | Vertragstext lesen; Rückbuchungen handhaben |
| Ausstieg | Ein Wechsel soll später möglich sein, ohne Zahlungsdaten zu verlieren | Welche Kündigungsfrist und Mindestlaufzeit gelten, welche Daten kann ich exportieren, was passiert mit gespeicherten Zahlungsmitteln? | Vertrag, Probeexport; Datenexport und Vendor-Lock-in |
Preismodell-Felder
Ein Preismodell kann aus mehreren Feldern bestehen. Tragen Sie je Angebot jedes Feld ein; ein leeres Feld bedeutet eine offene Frage, keine Null.
| Feld | Was Sie eintragen |
|---|---|
| Einrichtung | einmaliger Betrag, falls vorhanden |
| Grundgebühr | je Monat oder Jahr |
| Mindestumsatz oder Mindestentgelt | Betrag je Monat, falls vorhanden |
| Entgelt je Transaktion | fester Betrag, Prozentsatz oder beides, getrennt nach Zahlart |
| Entgelt je Karte, Land oder Währung | falls der Preis davon abhängt |
| Entgelt für Erstattung | fester Betrag je Erstattung, falls vorhanden |
| Entgelt für Rückbuchung | fester Betrag je Rückbuchung |
| Auszahlung | Häufigkeit, Gebühr, Währungsumrechnung |
| Einbehalt oder Sicherheitsleistung | Höhe und Dauer, falls vorgesehen |
| Vertragslaufzeit und Kündigung | Mindestlaufzeit, Frist |
| Zusatzleistungen | etwa Betrugsprüfung oder Berichte, falls extra berechnet |
Beispielrechnung: zwei erfundene Angebote
Die Preise sind erfunden und stammen von keinem Anbieter. Annahmen: 400 Bestellungen im Monat, Warenkorb 60 Euro, 20 Erstattungen und 2 Rückbuchungen im Monat. Angebot X: Grundgebühr 10 Euro im Monat, je Transaktion 0,25 Euro plus 1,5 Prozent, keine Gebühr für Erstattungen, 15 Euro je Rückbuchung. Angebot Y: keine Grundgebühr, je Transaktion 2,0 Prozent, 0,30 Euro je Erstattung, 20 Euro je Rückbuchung.
| Posten | Angebot X | Angebot Y |
|---|---|---|
| Grundgebühr | 10,00 | 0,00 |
| Festbetrag je Transaktion | 400 × 0,25 = 100,00 | 0,00 |
| Prozentanteil | 1,5 % × 24.000 = 360,00 | 2,0 % × 24.000 = 480,00 |
| Erstattungen | 0,00 | 20 × 0,30 = 6,00 |
| Rückbuchungen | 2 × 15 = 30,00 | 2 × 20 = 40,00 |
| Summe im Monat (Euro) | 500,00 | 526,00 |
Das Bestellvolumen beträgt 400 × 60 = 24.000 Euro; X kostet 500 ÷ 24.000 = 2,08 Prozent, Y 526 ÷ 24.000 = 2,19 Prozent. Rechnen Sie mit einem Warenkorb von 40 Euro (Volumen 16.000 Euro), kehrt sich die Rangfolge um: X kostet 10 + 100 + 240 + 30 = 380 Euro, Y kostet 320 + 6 + 40 = 366 Euro. Allein beim Entgelt je Transaktion sind beide Angebote bei einem Warenkorb von 50 Euro gleich teuer (0,25 + 0,015 × 50 = 1,00 Euro und 0,02 × 50 = 1,00 Euro). Rechnen Sie deshalb mit Ihrem eigenen Warenkorb, nicht mit einem fremden Durchschnittswert.
Integrationsoptionen im Checkout
| Option | So funktioniert sie | Fragen an den Anbieter |
|---|---|---|
| Weiterleitung | Die Kundin wird von Ihrem Shop auf eine Zahlungsseite des Anbieters geleitet und gibt dort ihre Zahlungsdaten ein (PCI SSC, Abschnitt 2.1) | Lässt sich die Seite an mein Erscheinungsbild anpassen? Wie meldet der Anbieter das Ergebnis an den Shop zurück? |
| Eingebettetes Formular des Anbieters (iFrame) | Ein vom Anbieter gelieferter, abgeschotteter Rahmen wird in Ihre Checkout-Seite eingebettet; der Rahmen nimmt die eingegebenen Zahlungsdaten entgegen (PCI SSC, Abschnitt 2.2) | Wird das Formular als isolierter Rahmen oder auf andere Weise eingebunden? Welche Zahlarten unterstützt es? Welche Sicherheitsnachweise verlangt der Vertrag? |
| Direkte Schnittstelle (API) | Ihr Shop stellt das Zahlungsformular bereit, die Zahlungsdaten laufen über Ihren Webserver, bevor sie an den Anbieter gehen (PCI SSC, Abschnitt 2.5) | Welche Sicherheitsnachweise verlangt der Vertrag für diese Variante, und wer führt sie durch? |
| Modul des Shopsystems | Angebotsoption, die Sie prüfen: ein Modul, das den Anbieter in Ihr Shopsystem einbindet | Wie bindet das Modul die Zahlung an (Weiterleitung, Formular, Schnittstelle)? Wer pflegt es, gibt es Kosten für Updates, wird mein Shopsystem in der aktuellen Version unterstützt? |
| Zahlungslink | Angebotsoption, die Sie prüfen: ein Link zur Zahlung, den Sie der Kundin senden, zum Beispiel für Telefon- oder Rechnungsfälle | Welche Zahlarten sind per Link möglich, wie lange ist der Link gültig? |
Die Beschreibungen der ersten drei Zeilen folgen dem Informationssupplement des PCI Security Standards Council zu E-Commerce-Sicherheit (April 2017); es ergänzt die Standards und ersetzt sie nicht. Anbieter können die Varianten anders benennen oder abwandeln.
Zu den Sicherheitsnachweisen: PCI DSS richtet sich nach der Standardseite des PCI Security Standards Council an alle Stellen, die Karteninhaberdaten speichern, verarbeiten oder übertragen, darunter Händler. Ob und wie ein Händler die Einhaltung nachweisen muss, legen nach Angabe des Rates Kartenorganisationen, Acquirer oder andere Stellen fest, die Compliance-Programme führen. Fragen Sie deshalb schriftlich, was Ihr Vertrag für die gewählte Integrationsart verlangt.
So vergleichen Sie in sechs Schritten
- Legen Sie Ihre Länder, Zahlarten und das erwartete Bestellvolumen fest (Zahlungsarten).
- Teilen Sie die acht Kriterien in Muss, Soll und Kann; Als Muss-Zeilen eignen sich die Zahlarten für Ihre Länder und die Angabe von Erlaubnis und Aufsicht (unsere Empfehlung).
- Schicken Sie allen Anbietern dieselben Fragen und halten Sie die Antworten schriftlich fest.
- Füllen Sie die Preismodell-Tabelle je Angebot aus und rechnen Sie mit Ihrem Bestellvolumen, mit zwei Warenkorbgrößen.
- Testen Sie die Integration im Testmodus des Anbieters oder in einer Demoumgebung (Pilotbetrieb).
- Dokumentieren Sie die Entscheidung mit Begründung und Prüfdatum.
Warnsignale im Angebot
- Der Preis steht nur als Prozentsatz da; Felder wie Erstattung, Rückbuchung und Auszahlung fehlen.
- Eine Antwort auf die Frage nach Erlaubnis und Aufsicht fehlt.
- Die Mindestlaufzeit steht nur in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, nicht im Angebot.
- Einbehalte werden nicht beziffert.
- Auf Fragen zum Ausstieg gibt es keine schriftliche Antwort.
Checkliste
- Länder, Zahlarten und Bestellvolumen sind festgelegt.
- Fragebogen mit den acht Kriterien an alle Angebote verschickt, Antworten schriftlich abgelegt.
- Preismodell-Felder je Angebot ausgefüllt, mit zwei Warenkorbgrößen nachgerechnet.
- Erlaubnis und Aufsichtsbehörde des Anbieters nachgeschlagen.
- Integrationsart gewählt, Testbestellung durchgeführt, Sicherheitsnachweise schriftlich erfragt.
- Auszahlung, Rückbuchungsverfahren und Ausstieg im Vertrag geprüft.
- Entscheidung dokumentiert, Prüfdatum gesetzt.