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Gratisversand ab Warenwert: Schwelle berechnen

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Eine Schwelle für Gratisversand rechnet sich nur, wenn der Rohertrag der zusätzlichen Warenkörbe und Bestellungen die wegfallenden Versandeinnahmen ausgleicht. Ausgangspunkt ist der Mindest-Warenwert, bei dem eine Bestellung ihre Sendungskosten deckt: Sendungskosten geteilt durch die Rohertragsquote. Wie viele Kunden den Warenkorb aufstocken, zeigt nur ein Test im eigenen Shop; die Beispielrechnung unten hat erfundene Zahlen.

Das Wichtigste

  • Mindest-Warenwert einer Bestellung, die ihre Sendungskosten deckt: Sendungskosten ÷ Rohertragsquote; im Beispiel 6,50 ÷ 0,35 = 18,58 Euro, mit 3,00 Euro weiteren Kosten je Bestellung 27,15 Euro.
  • Im Beispiel (100 Bestellungen, durchschnittlich 61,00 Euro) fehlen bei einer Schwelle von 50 Euro 268,10 Euro Rohertrag nach Versand gegenüber dem Versand gegen Gebühr; bei 75 Euro 149,10 Euro und bei 100 Euro 46,90 Euro.
  • Die Rechnung nennt die zusätzlich nötigen Bestellungen: im Beispiel 25 bei 50 Euro, 8 bei 75 Euro und 2 bei 100 Euro Schwelle, jeweils auf 100 Bestellungen.
  • Alle Werte sind netto und erfunden; keine Schwelle wird empfohlen. Die Preisangabe der Versandkosten regeln die Länderartikel zu Preisangaben.

Gratisversand verschiebt Kosten: Die Gebühr, die Kunden bisher zahlten, entfällt, die Sendung kostet weiter. Dieser Artikel rechnet die Schwelle in drei Schritten aus: Untergrenze, Wirkung auf den Warenkorb, Zahl der nötigen Zusatzbestellungen. Wie Sie die Kosten je Sendung und die Modelle bilden, steht in Versandkosten kalkulieren; hier geht es nur um die Schwelle.

Was Sie vorab brauchen

  • die durchschnittlichen Sendungskosten (Fracht, Verpackung, Arbeitszeit) aus Ihren Rechnungen
  • die Rohertragsquote: Verkaufspreis netto minus Einkaufspreis, geteilt durch den Verkaufspreis netto
  • die Verteilung Ihrer Warenkörbe der letzten Monate in Stufen (Anzahl Bestellungen je Warenwertstufe)
  • die Versandgebühr, die Kunden heute zahlen

Schritt für Schritt

Schritt 1: Untergrenze berechnen

Eine Bestellung deckt ihre Sendungskosten, wenn Rohertrag ≥ Sendungskosten gilt. Der Mindest-Warenwert ist damit Sendungskosten ÷ Rohertragsquote. Kommen Kosten je Bestellung hinzu, die nicht im Warenpreis stecken (etwa Zahlungsgebühren), gehören sie in den Zähler.

Beispielrechnung, alle Werte netto und erfunden: Sendungskosten 6,50 Euro, Rohertragsquote 35 Prozent. Mindest-Warenwert: 6,50 ÷ 0,35 = 18,57…, aufgerundet 18,58 Euro. Mit angenommenen 3,00 Euro weiteren Kosten je Bestellung: (6,50 + 3,00) ÷ 0,35 = 27,14…, aufgerundet 27,15 Euro. Eine Schwelle unter diesen Werten bringt auch für die aufgestockte Bestellung keinen Ertrag nach Versand.

Schritt 2: Warenkorb-Verteilung festhalten

Ordnen Sie Ihre Bestellungen Stufen zu. Im Beispiel sind es 100 Bestellungen; die Kunden zahlen bisher 4,90 Euro Versandgebühr, unabhängig vom Warenwert.

Warenwert der Bestellung Anzahl Bestellungen (Beispiel)
20 Euro 10
35 Euro 20
48 Euro 20
62 Euro 20
85 Euro 20
130 Euro 10

Warenwert gesamt: 200 + 700 + 960 + 1.240 + 1.700 + 1.300 = 6.100 Euro; durchschnittlicher Warenwert je Bestellung: 61,00 Euro. Ausgangslage mit Gebühr: Rohertrag 6.100 × 0,35 = 2.135,00 Euro, Versandeinnahmen 100 × 4,90 = 490,00 Euro, Sendungskosten 100 × 6,50 = 650,00 Euro, Rohertrag nach Versand 2.135,00 + 490,00 − 650,00 = 1.975,00 Euro.

Schritt 3: Schwellen durchrechnen

Annahmen: Ab der Schwelle ist der Versand gratis. Von den Bestellungen, die höchstens 15 Euro unter der Schwelle liegen, stocken 30 Prozent auf genau den Schwellenwert auf (Annahme, kein Marktwert); alle anderen zahlen die Gebühr. Die Zahl der Bestellungen bleibt gleich.

Schwelle Bestellungen mit Aufstockung Durchschnittlicher Warenwert Bestellungen mit Gebühr Versandeinnahmen Rohertrag nach Versand
keine (Gebühr für alle) 0 61,00 Euro 100 490,00 Euro 1.975,00 Euro
50 Euro 12 (6 von 35 Euro, 6 von 48 Euro) 62,02 Euro 38 186,20 Euro 1.706,90 Euro
75 Euro 6 (von 62 Euro) 61,78 Euro 64 313,60 Euro 1.825,90 Euro
100 Euro 6 (von 85 Euro) 61,90 Euro 84 411,60 Euro 1.928,10 Euro

Beispiel für die Zeile 50 Euro: Warenwert 6.100 + 6 × 15 + 6 × 2 = 6.202 Euro, Rohertrag 6.202 × 0,35 = 2.170,70 Euro, Versandeinnahmen 38 × 4,90 = 186,20 Euro, Rohertrag nach Versand 2.170,70 + 186,20 − 650,00 = 1.706,90 Euro.

Die Versandkostendeckung, also der Anteil der Sendungskosten, den die Gebühren tragen, sinkt von 490 ÷ 650 = 75,4 Prozent auf 186,20 ÷ 650 = 28,6 Prozent (50 Euro), 313,60 ÷ 650 = 48,2 Prozent (75 Euro) und 411,60 ÷ 650 = 63,3 Prozent (100 Euro). Der durchschnittliche Warenwert steigt im Beispiel nur um 0,78 bis 1,02 Euro. Die Aufstockung allein gleicht den Wegfall der Gebühren nirgends aus.

Schritt 4: Nötige Zusatzbestellungen berechnen

Eine zusätzliche Bestellung mit genau dem Schwellenwert bringt Rohertrag minus Sendungskosten: bei 50 Euro 0,35 × 50 − 6,50 = 11,00 Euro, bei 75 Euro 19,75 Euro, bei 100 Euro 28,50 Euro. Die Lücke gegenüber der Ausgangslage (1.975,00 Euro) geteilt durch diesen Betrag ergibt die nötigen Zusatzbestellungen auf 100 bestehende:

Schwelle Lücke Ertrag einer Zusatzbestellung Nötige Zusatzbestellungen
50 Euro 268,10 Euro 11,00 Euro 268,10 ÷ 11,00 = 24,4, also 25
75 Euro 149,10 Euro 19,75 Euro 149,10 ÷ 19,75 = 7,5, also 8
100 Euro 46,90 Euro 28,50 Euro 46,90 ÷ 28,50 = 1,6, also 2

Im Beispiel verlangt die niedrige Schwelle den meisten Zusatzabsatz. Ob 2, 8 oder 25 zusätzliche Bestellungen auf 100 realistisch sind, wissen Sie erst nach einem Test; eine Zahl aus einer Studie ersetzt ihn nicht. Setzen Sie die Rechnung mit Ihren eigenen Werten auf, bevor Sie eine Schwelle festlegen.

So prüfen Sie das Ergebnis

  • Die Summe der Warenwerte in der Verteilungstabelle stimmt mit Ihrem Umsatz des Vergleichszeitraums überein.
  • Rohertrag nach Versand = Warenrohertrag + Versandeinnahmen − Sendungskosten gilt in jeder Zeile.
  • Die Schwelle liegt über dem Mindest-Warenwert aus Schritt 1.
  • Nach der Einführung vergleichen Sie Bestellzahl, durchschnittlichen Warenwert und Anteil der Bestellungen knapp unter der Schwelle mit den Werten vorher.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Ursache Behebung
Rohertrag nach Versand sinkt nach der Einführung Zu wenige Zusatzbestellungen, Gebühren fallen weg Schwelle höher ansetzen oder zurück zur Gebühr; Schritt 4 mit echten Zahlen wiederholen
Kaum Bestellungen knapp unter der Schwelle Aufstockungshinweis fehlt oder kommt zu spät Hinweis im Warenkorb prüfen und testen
Sperrige Artikel erreichen die Schwelle schnell und kosten viel Sendungskosten unterscheiden sich stark Sperrgut ausnehmen oder eigene Stufe bilden, siehe Sperrgut und Spedition
Rechnung passt nicht zur Buchhaltung Rabatte und Gutscheine fehlen im Warenwert Warenwert nach Rabatt rechnen, siehe Deckungsbeitrag je Bestellung

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie Rat, wenn Sie in mehrere Länder liefern und die Schwelle je Land anders setzen wollen oder wenn Sie die Preisangabe der Versandkosten in Ihrem Land klären müssen. Die Länderartikel zu Preisangaben (Deutschland, Österreich, Schweiz) und die Steuerberatung beantworten das; hier steht nur die Rechnung.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte die Schwelle für Gratisversand sein?

Das lässt sich nicht aus einer Faustzahl ableiten. Ausgangspunkt ist die Verteilung Ihrer Warenkörbe: Sie zeigt, welche Bestellungen sofort gratis wären und welche aufstocken müssten. Rechnen Sie mehrere Schwellen mit Ihren Zahlen durch und testen Sie die aussichtsreichste.

Zählt die Schwelle brutto oder netto?

Das legen Sie in Ihrem Shop fest und zeigen es den Kunden an; der Artikel rechnet mit Nettowerten. Entscheiden Sie auch, ob Rabatte und Gutscheine vom Warenwert abgezogen werden, bevor die Schwelle geprüft wird. Wie die Versandkosten anzugeben sind, steht in den Artikeln zu Preisangaben Ihres Landes.

Wie messe ich, ob Kunden wegen der Schwelle mehr kaufen?

Vergleichen Sie vor und nach der Einführung den durchschnittlichen Warenwert je Bestellung, den Anteil der Bestellungen knapp unter der Schwelle und die Zahl der Bestellungen. Ein Wechsel im gleichen Zeitraum durch andere Aktionen verfälscht den Vergleich; halten Sie sie getrennt.