Monolith oder Headless: Kosten über drei Jahre
Kurz gesagt
Ob ein Headless-Shop teurer wird, zeigt die Gesamtrechnung über drei Jahre aus Aufbau, Betrieb und Änderungen, nicht der Aufbaupreis allein. Ein Headless-Shop trennt Storefront und Shop-Logik; der getrennte Storefront muss gebaut und dauerhaft betreut werden. In der erfundenen Beispielrechnung dieses Artikels kostet ein gekoppeltes System über drei Jahre 83.000 Euro, ein Headless-Shop 161.000 Euro; in der Schweiz rechnen Sie dieselben Posten in Franken.
Das Wichtigste
- Ein gekoppeltes System (Monolith) vereint Oberfläche und Shop-Logik in einer Software; ein Headless-Shop trennt den Storefront über Schnittstellen ab.
- Drei Kostenblöcke zählen: Aufbau einmalig, Betrieb je Jahr, Änderungen je Jahr.
- Beim gekoppelten System fallen Oberfläche und Shop-Logik zusammen; beim Headless-Shop werden Aufbau und Betrieb des getrennten Storefronts zu eigenen Posten.
- Die Beträge in diesem Artikel sind erfundene Annahmen, keine Marktpreise; setzen Sie Ihre eigenen Angebote ein.
- Nach redaktioneller Einschätzung gehören mehrere Kanäle mit demselben Bestand und häufige logikberührende Änderungen auf die Prüfliste; die Kostenseite liefern Ihre Angebote.
- Für Deutschland und Österreich rechnen Sie in Euro, für die Schweiz in Franken; die Struktur des Modells bleibt gleich.
Ob eine eigene Oberfläche getrennt von der Shop-Logik läuft, ist eine Kostenfrage, keine Geschmacksfrage. Dieser Artikel vergleicht beide Bauformen, gekoppeltes System und Headless-Shop, über drei Jahre. Er nennt keine Anbieter und keine Marktpreise; die Beträge sind erfundene Annahmen. Den technischen Aufbau der Trennung behandelt Headless Commerce.
Worum es bei der Auswahl geht
Die Trennung nutzt ein Grundmuster des Web: Das World Wide Web Consortium beschreibt als Kernbausteine die Kennzeichnung von Ressourcen, die Darstellung ihres Zustands und die Protokolle für den Zugriff (W3C, Architecture of the World Wide Web, Empfehlung vom 15. Dezember 2004). Ein Artikel ist danach eine Ressource, die Produktseite eine ihrer Darstellungen.
Headless ist ein Begriff aus dem Umfeld der MACH Alliance, einem Zusammenschluss von Anbietern, Integratoren und Enablern. Ihr Manifest führt ihn neben Microservices, API-first und Cloud-native SaaS als viertes Prinzip; die Allianz ist keine Norm (Manifestseite, abgerufen am 14. Oktober 2026). Für die Kosten zählt ein anderer Punkt: Beim gekoppelten System sind Oberfläche und Shop-Logik ein Programm, beim Headless-Shop kommt der getrennte Storefront als eigener Teil hinzu, den jemand bauen und dauerhaft betreiben muss. Der Vergleich läuft deshalb über die Frage, wer welchen Teil trägt.
Diese Kriterien zählen
Die Tabelle zeigt, welche Angaben die Kosten treiben. Die Spalte “Frage an den Anbieter” lässt sich in einen Fragebogen übernehmen.
| Kriterium | Warum es zählt | So prüfen Sie es | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|---|
| Zahl der Kanäle | Je Kanal entsteht eine eigene Oberfläche; die Shop-Logik kann für alle dieselbe sein | Notieren Sie, welche Kanäle denselben Katalog und dieselben Preise führen | Welche Kanäle nutzen dieselbe Shop-Logik über eine Schnittstelle? |
| Änderungen im Frontend | Ein eigener Storefront macht Frontend-Änderungen zur eigenen Arbeit | Zählen Sie die Storefront-Änderungen je Monat | Wie wird eine Vorlagen- oder Layoutänderung ausgeliefert? |
| Eingriffstiefe der Änderungen | Änderungen an Preisen, Warenkorb oder Zahlung berühren die Logik | Zählen Sie diese Änderungen getrennt von reinen Layoutänderungen | Löst eine solche Änderung ein Update des ganzen Systems aus? |
| Betriebsverantwortung | Wer Storefront und Schnittstellen betreibt, trägt die laufenden Kosten | Halten Sie fest, wer im Betrieb benannt ist | Wer betreibt den Storefront, welche Reaktionszeiten sind zugesagt? |
| Schnittstellen zu Fremdsystemen | Jede Anbindung kostet beim Aufbau und im Betrieb | Listen Sie ERP, Suche, PIM und Versand | Welche Schnittstellen gibt es, wer pflegt sie? |
| Datenexport und Ausstieg | Ein späterer Wechsel hängt am Export | Fordern Sie einen Probeexport an | In welchem Format und zu welchem Preis erhalte ich meine Daten? |
| Laufzeit der Angebote | Die Gesamtkosten hängen an der betrachteten Laufzeit | Vergleichen Sie über drei Jahre, nicht über den Monatspreis | Was kostet Aufbau, Betrieb und Änderung getrennt? |
Zeilen, die in den Vertrag wandern, vertiefen Anbieterbindung und Datenexport und Transaktionsgebühren und Provisionen. Wer die Angebote selbst einholt, findet das Vorgehen unter Shopsysteme vergleichen ohne Ranking.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Trennen Sie drei Blöcke: Aufbau (einmalig), Betrieb (je Jahr) und Änderungen (je Jahr, nach Anlass). Nur so wird sichtbar, wohin die Kosten wandern. Nach der Hilfestellung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu cloudbasierten Diensten verlagern sich beim Mieten von Diensten die Ausgaben vom Investitionsbudget auf die laufenden Sachkosten; bei Software as a Service betreibt der Anbieter die Anwendung samt Infrastruktur und Plattform, bei On-Premises betreibt und administriert das Unternehmen die Infrastruktur selbst und trägt die volle Verantwortung (UP KRITIS, Version 2.0 vom 7. November 2023, Abschnitte 1 und 2). Für den Shop heißt das: Wer den Storefront selbst betreibt, trägt diese Kosten jedes Jahr erneut.
Die folgenden drei Tabellen bilden ein Kostenschema mit Spannen ab, keine Preisliste. Alle Beträge sind erfunden, netto, in Euro; tragen Sie Ihre eigenen Angebote ein.
Die erste Tabelle zeigt den einmaligen Aufbau.
| Posten (Aufbau, einmalig) | Gekoppeltes System (Euro) | Headless-Shop (Euro) | Was die Spanne treibt |
|---|---|---|---|
| Anforderung und Konzept | 4.000–15.000 | 6.000–25.000 | Zahl der Kanäle und Sonderfälle |
| Shop-Logik einrichten und lizenzieren | 3.000–20.000 | 3.000–25.000 | Katalogumfang, Preis- und Zahlungsregeln |
| Storefront | 3.000–20.000 | 15.000–60.000 | Vorlage oder Eigenbau, Zahl der Vorlagen |
| Schnittstellen zu Fremdsystemen | 1.000–8.000 | 8.000–35.000 | Zahl der Systeme (ERP, Suche, PIM) |
| Datenübernahme | 1.000–8.000 | 1.000–10.000 | Zahl der Artikel und Varianten |
| Test und Abnahme | 2.000–10.000 | 4.000–18.000 | Testtiefe, Zahl der Kanäle |
| Summe Aufbau | 14.000–81.000 | 37.000–173.000 | Summe der sechs Posten |
Die zweite Tabelle zeigt den Betrieb je Jahr.
| Posten (Betrieb je Jahr) | Gekoppeltes System (Euro) | Headless-Shop (Euro) | Was die Spanne treibt |
|---|---|---|---|
| Lizenz oder Miete der Shop-Logik | 1.200–18.000 | 1.200–18.000 | Tarif und Bestellvolumen |
| Hosting und Infrastruktur | 600–6.000 | 1.800–15.000 | Zahl der laufenden Dienste |
| Betrieb des Storefronts | 0–2.000 | 3.000–15.000 | eigene Betreuung oder Dienstleister |
| Updates und Sicherheitspatches | 600–6.000 | 2.400–12.000 | Release-Takt, Zahl der Dienste |
| Support und Servicevertrag | 0–12.000 | 0–12.000 | zugesagte Reaktionszeiten |
| Summe Betrieb je Jahr | 2.400–44.000 | 8.400–72.000 | Summe der fünf Posten |
Die dritte Tabelle zeigt die Änderungen je Jahr.
| Posten (Änderungen je Jahr) | Gekoppeltes System (Euro) | Headless-Shop (Euro) | Was die Spanne treibt |
|---|---|---|---|
| Frontend-Änderungen | 1.000–8.000 | 1.000–6.000 | Zahl der Änderungen je Monat |
| Änderungen an Logik und Schnittstellen | 2.000–18.000 | 3.000–20.000 | Eingriffstiefe je Änderung |
| Summe Änderungen je Jahr | 3.000–26.000 | 4.000–26.000 | Summe der zwei Posten |
Die Summe über drei Jahre ergibt sich aus Aufbau + 3 × (Betrieb + Änderungen). In diesem Schema liegt sie zwischen 30.200 und 291.000 Euro für das gekoppelte System und zwischen 74.200 und 467.000 Euro für den Headless-Shop. Die Spannen sind so weit, weil fast jede Zeile an der Zahl der Kanäle, der Schnittstellen und der Änderungen hängt. Wie die Kostenposten eines Shops ohne Architekturvergleich aussehen, steht unter Was kostet ein Onlineshop.
Ein Rechenbeispiel über drei Jahre
Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen, alle Beträge netto. Annahmen: ein Kanal, 2.000 Artikel, 500 Bestellungen im Monat, Tagessatz 900 Euro, keine Preiserhöhung, Laufzeit drei Jahre.
| Block | Gekoppeltes System | Headless-Shop |
|---|---|---|
| Aufbau, einmalig | 32.000 Euro | 71.000 Euro |
| Betrieb je Jahr | 11.000 Euro | 22.000 Euro |
| Änderungen je Jahr | 6.000 Euro | 8.000 Euro |
| Summe über drei Jahre | 83.000 Euro | 161.000 Euro |
Rechnung: gekoppeltes System 32.000 + 3 × (11.000 + 6.000) = 83.000 Euro; Headless-Shop 71.000 + 3 × (22.000 + 8.000) = 161.000 Euro. Der Unterschied von 78.000 Euro steckt überwiegend im Storefront, also im höheren Aufbau und in der laufenden Betreuung.
Redaktionelle Einschätzung: Mehrere Kanäle mit demselben Bestand sind der Punkt, an dem sich die Rechnung drehen kann. Getrennt laufen dann eine gemeinsame Shop-Logik und je Kanal eine eigene Oberfläche; nach der W3C-Empfehlung kann dieselbe Ressource mehrere Darstellungen haben. Ob das gegenüber einem gekoppelten System günstiger ausfällt, ergibt sich aus Ihren Angeboten und nicht aus diesem Modell. Eine vollständige Lebenszyklusrechnung zeigt Gesamtkosten eines Shopsystems (TCO).
Warnsignale in Angebot und Vertrag
- Ein Angebot nennt nur eine Pauschalsumme statt getrennter Preise für Aufbau, Betrieb und Änderung.
- Beim Headless-Shop wird der laufende Betrieb des Storefronts nicht beziffert.
- Änderungsstunden haben keinen Tagessatz und keine Mengenangabe.
- Für den Datenexport am Vertragsende gibt es keine Angabe.
- Hosting und Infrastruktur fehlen in der Kostenliste.
- Laufzeit und Kündigungsfrist stehen in einem anderen Dokument als dem Angebot.
- Die beiden Angebote beruhen auf verschiedenen Annahmen zu Artikelzahl, Bestellungen oder Kanälen; dann ist die Summe nicht vergleichbar.
Welche Kriterien für welchen Betrieb
Die Zuordnung ist eine redaktionelle Einschätzung: Sie sagt, welche Zeilen im Modell bei einem Betrieb schwerer wiegen, und nichts über Anbieter aus.
| Betrieb oder Vorhaben | Was im Modell schwerer wiegt |
|---|---|
| Ein Kanal, kleines Team, wenige Änderungen | Aufbau und Betrieb des gekoppelten Systems sind im Modell niedriger angesetzt |
| Mehrere Kanäle mit demselben Bestand | Gemeinsame Shop-Logik, aber je Kanal eine eigene Oberfläche; Aufwand je Kanal aus den Angeboten |
| Regelmäßige Frontend-Änderungen | Im Modell liegt der obere Rand der Frontend-Änderungen beim Headless-Shop niedriger |
| Mehrere Fremdsysteme | Im Modell steigen die Schnittstellenkosten in beiden Bauformen, beim Headless-Shop stärker |
| Unklarer Kanalmix | Mit einem Kanal starten und die Spannen im Modell offen halten |
So vergleichen Sie in fünf Schritten
- Zählen Sie Artikel, Bestellungen im Monat, Kanäle mit gemeinsamem Bestand und Storefront-Änderungen je Monat.
- Holen Sie je Block ein eigenes Angebot ein: Aufbau einmalig, Betrieb je Jahr, Änderungen je Jahr. Wer keine Zeit für Ausschreibung hat, plant das mit Agentur oder Inhouse-Team.
- Füllen Sie das Kostenschema mit Ihren Zahlen statt mit den erfundenen Spannen.
- Rechnen Sie über drei Jahre: Aufbau + 3 × (Betrieb + Änderungen).
- Prüfen Sie den Datenexport und halten Sie die Annahmen beider Angebote nebeneinander; vergleichen Sie nur Angebote mit gleichen Annahmen. Für die Auswahlkriterien des Systems selbst siehe Shopsystem auswählen.