Headless Commerce
Kurz gesagt
Headless Commerce heißt: Oberfläche (Storefront) und Shop-Logik eines Onlineshops laufen getrennt, und der Storefront liest Artikel, Preise und Bestand über Schnittstellen ab. Die MACH Alliance führt den Begriff als Baustein ihres Kürzels MACH; er beschreibt den technischen Aufbau. Zur Entscheidung wird die Trennung, wenn mehrere Oberflächen denselben Bestand zeigen oder sich die Oberfläche häufiger ändert als die Shop-Logik.
Das Wichtigste
- Headless Commerce trennt die Darstellung (Storefront) von der Shop-Logik; verbunden sind beide über Schnittstellen.
- Die MACH Alliance, ein Branchenzusammenschluss von Softwareanbietern und Systemintegratoren, führt Headless als einen ihrer Bausteine.
- Im Kürzel MACH steht das H für Headless, neben Microservices, API-first und Cloud-native SaaS.
- Dieselbe Schnittstelle kann mehrere Oberflächen bedienen, etwa Webshop, App und ein Terminal im Laden.
- Der Begriff beschreibt den technischen Aufbau; ein bestimmtes Geschäftsmodell folgt daraus nicht.
Definition
Headless Commerce ist ein Aufbau eines Onlineshops, bei dem die Oberfläche im Browser oder in einer App (Storefront) getrennt von dem System läuft, das Artikel, Preise und Bestellungen führt. Der Storefront holt diese Daten über Schnittstellen und stellt sie dar. Als einen Baustein ihres Kürzels MACH führt den Begriff die MACH Alliance, ein Zusammenschluss von Softwareanbietern und Systemintegratoren (Selbstbezeichnung: herstellerneutrale Branchenorganisation).
Wann der Begriff zählt
Zur Entscheidung wird der Aufbau, wenn mehr als eine Oberfläche denselben Bestand und dieselben Preise zeigen soll, etwa Webshop, App und ein Terminal im Laden. Er zählt auch, wenn sich die Oberfläche häufiger ändert als die Shop-Logik; dann lassen sich beide einzeln ändern. Wer einen einzelnen Webshop mit der mitgelieferten Oberfläche betreibt, gewinnt keine zweite Oberfläche; Aufbau und Betrieb des Storefronts wandern in die eigene Hand. Wann sich die Trennung rechnet, prüft der Entscheidungsartikel Headless Commerce: Wann sich die Trennung lohnt.
Ein Beispiel
Beispiel: Ein Betrieb mit 1.200 Artikeln führt einen Webshop und ein Terminal in der Filiale; beide fragen Artikel, Preis und Bestand über dieselbe Schnittstelle des Handelssystems ab. Eine Änderung am Terminal lässt den Webshop unberührt, und eine zweite Filiale kommt als weitere Oberfläche an derselben Schnittstelle hinzu.
Worauf die Trennung beruht
Die MACH Alliance ordnet Headless als einen ihrer Bausteine ein: Das Kürzel steht für Microservices, API-first, Cloud-native SaaS und Headless. In ihrem Weißbuch von 2023 beschreibt sie den Baustein so: Die Darstellung im Frontend ist vollständig von der Logik im Backend entkoppelt und unabhängig von Kanal, Programmiersprache und Framework.
Die Schnittstellen lassen sich auf offenen Standards aufbauen: HTTP ist ein zustandsloses Anfrage-Antwort-Protokoll (RFC 9110), und eine HTTP-Schnittstelle lässt sich mit der OpenAPI Specification beschreiben (Version 3.2.1, 10. September 2026).
Nicht zu verwechseln mit
- Storefront (Shop-Frontend): die Oberfläche des Shops; Headless beschreibt das Verhältnis zwischen dieser Oberfläche und der Shop-Logik. Siehe Storefront.
- Composable Commerce: trennt zusätzlich die Dienste untereinander, etwa Shop-Logik, Suche und Redaktionssystem; Headless betrifft die Oberfläche. Siehe Composable Commerce.
- API-first und MACH: das Kürzel nennt vier Bausteine, von denen Headless einer ist; API-first beschreibt ein System, das von vornherein mit Schnittstellen gebaut ist und seine Funktionalität über sie bereitstellt, nicht allein deren Aufruf durch den Storefront. Siehe API-first und MACH.