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Businessplan und Finanzplan für den Onlineshop

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Ein belastbarer Finanzplan für einen Onlineshop besteht aus vier Bausteinen: den Startkosten (Kapitalbedarf), dem Bestelltrichter (Besucher bis Bestellung), dem Deckungsbeitrag je Bestellung und der Liquiditätskurve (Cash-Flow). Sie rechnen die ersten Monate mit Ihren eigenen Zahlen durch und prüfen, ob die Liquidität ausreicht, um die Anlaufphase zu überstehen.

Das Wichtigste

  • Vier Bausteine: Startkosten, Bestelltrichter, Deckungsbeitrag je Bestellung, Liquiditätskurve.
  • Der Deckungsbeitrag je Bestellung deckt die Fixkosten; der Break-even ist Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag.
  • Die Liquiditätskurve rechnet mit den tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben je Monat; der Tiefpunkt bestimmt den nötigen Kapitalbedarf.
  • Alle Zahlen sind erfundene Beispielwerte; Sie rechnen mit Ihren eigenen Werten.
  • Umsatzsteuer ist ein eigener Posten im Liquiditätsplan; die Sätze regeln die Länderartikel.

Ein Finanzplan macht sichtbar, ob Ihr Shop die Anlaufphase finanziert. Er setzt sich aus vier Bausteinen zusammen, die Sie in einer Tabelle aufbauen: Startkosten, Bestelltrichter, Deckungsbeitrag je Bestellung und Liquiditätskurve. Die Reihenfolge ist wichtig, weil jeder Baustein auf dem vorherigen aufbaut.

Was Sie vorab brauchen

  • die Startkosten: einmalige Ausgaben für Shopsystem, Erstausstattung, Erstbestand, Marketing und Rechtliches
  • die erwarteten Besucherzahlen und die Conversion-Raten (Besucher zu Warenkorb, Warenkorb zu Bestellung)
  • den durchschnittlichen Warenkorbwert (AOV)
  • den Wareneinsatz je Artikel und die variablen Kosten je Bestellung (Zahlung, Versand)
  • die monatlichen Fixkosten (Shopsystem-Miete, Tools, Lager, Sonstiges)
  • das verfügbare Eigenkapital

Ohne diese Werte bleibt der Plan leer. Sie tragen sie in die Tabelle ein und rechnen die ersten Monate durch.

Schritt für Schritt: den Finanzplan aufbauen

Schritt 1: Startkosten erfassen

Tragen Sie alle einmaligen Ausgaben in eine Tabelle ein. Im Beispiel (alle Werte erfunden):

Position Betrag
Shopsystem-Setup (einmalig) 2.000 Euro
Erstausstattung (Lager, Technik) 1.500 Euro
Erstbestand Ware 5.000 Euro
Marketing (Start) 1.500 Euro
Rechtliches (Impressum, AGB) 500 Euro
Summe 10.500 Euro

Die Summe ist Ihr Kapitalbedarf für den Start. Sie deckt die einmaligen Ausgaben, nicht den laufenden Betrieb. Den laufenden Betrieb finanzieren Sie aus dem Eigenkapital, das nach Abzug der Startkosten übrig bleibt.

Schritt 2: Bestelltrichter aufbauen

Der Bestelltrichter zeigt, wie viele Besucher zu Bestellungen werden. Die Stufen sind Besucher, Warenkorb und Bestellung. Im Beispiel (erfunden):

Stufe Anzahl Quote
Besucher pro Monat 10.000 –
Warenkorb 200 2 %
Bestellung 100 50 %

Der durchschnittliche Warenkorbwert (AOV) ist im Beispiel 60 Euro. Der monatliche Umsatz beträgt damit 100 × 60 = 6.000 Euro. Die Quoten sind Annahmen; Sie ersetzen sie durch Ihre eigenen Messwerte, sobald der Shop live ist.

Schritt 3: Deckungsbeitrag je Bestellung berechnen

Der Deckungsbeitrag je Bestellung ist der Betrag, den eine Bestellung nach Abzug des Wareneinsatzes und der variablen Kosten je Bestellung übrig lässt. Im Beispiel (erfunden):

Position Betrag
Nettoverkaufspreis 60,00 Euro
Wareneinsatz −30,00 Euro
Variable Kosten je Bestellung (Zahlung, Versand) −8,00 Euro
Deckungsbeitrag je Bestellung 22,00 Euro

Die Deckungsbeitragsquote ist 22 ÷ 60 = 36,7 Prozent. Der Break-even, also die Bestellzahl, bei der die Fixkosten gedeckt sind, ist Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag: 1.500 ÷ 22 = 68,2, also 69 Bestellungen pro Monat. Liegt die erwartete Bestellzahl darunter, deckt der Shop seine Fixkosten nicht.

Schritt 4: Liquiditätskurve aufstellen

Die Liquiditätskurve zeigt den Kontostand Monat für Monat. Sie beginnt mit dem Eigenkapital abzüglich der Startkosten und addiert den monatlichen Saldo. Das Beispiel ist ein vereinfachtes Modell: Es unterstellt, dass die Kunden sofort zahlen, dass der Wareneinsatz eines Monats im selben Monat bezahlt wird, und es klammert Steuer-, Zins- und Tilgungszahlungen sowie Privatentnahmen aus. Ein vollständiger Liquiditätsplan rechnet dagegen mit den tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben je Monat, einschließlich Warenzahlungen, Umsatzsteuer und Darlehenstilgung; daraus ergeben sich der Saldo und der Kontostand am Monatsende. Im Beispiel (erfunden):

Monat Bestellungen Umsatz Wareneinsatz Variable Kosten Fixkosten Saldo Kontostand
Start – – – – – – 15.000 Euro
Monat 0 (Start) – – – – – −10.500 Euro 4.500 Euro
Monat 1 50 3.000 Euro 1.500 Euro 400 Euro 1.500 Euro −400 Euro 4.100 Euro
Monat 2 70 4.200 Euro 2.100 Euro 560 Euro 1.500 Euro 40 Euro 4.140 Euro
Monat 3 90 5.400 Euro 2.700 Euro 720 Euro 1.500 Euro 480 Euro 4.620 Euro
Monat 4 100 6.000 Euro 3.000 Euro 800 Euro 1.500 Euro 700 Euro 5.320 Euro

Der Tiefpunkt liegt bei 4.100 Euro in Monat 1. Das ist der minimale Liquiditätsbestand, den Sie durchhalten müssen. Fällt er unter null, brauchen Sie mehr Eigenkapital oder eine Finanzierung.

Schritt 5: Szenarien durchrechnen

Rechnen Sie zwei Varianten durch: ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario. Im Worst Case sinken die Bestellungen auf 40 pro Monat; im Best Case steigen sie auf 120. Die Liquiditätskurve zeigt, wie lange das Eigenkapital in beiden Szenarien reicht. Die IHK empfiehlt, beide Szenarien zu erstellen, um die Erfolgschancen realistisch einzuschätzen.

So prüfen Sie das Ergebnis

  • Die Summe der Startkosten deckt alle einmaligen Ausgaben; der laufende Betrieb ist nicht enthalten.
  • Der Deckungsbeitrag je Bestellung ist positiv; sonst deckt keine Bestellung die Fixkosten.
  • Der Break-even ist kleiner als die erwartete Bestellzahl; sonst ist der Shop nicht tragfähig.
  • Die Liquiditätskurve fällt nicht unter null; der Tiefpunkt bestimmt den nötigen Kapitalbedarf.
  • Zinsen und Tilgung stehen an der richtigen Stelle: Zinsen gehören zu den Kosten, die Tilgung ist eine Auszahlung im Liquiditätsplan, die aus den Überschüssen aufgebracht wird.
  • Der Liquiditätsplan enthält die tatsächlichen Zahlungen; die vereinfachten Annahmen des Beispiels (sofortige Zahlung, Warenkauf im Monat des Wareneinsatzes, keine Steuer-, Zins- und Tilgungszahlungen, keine Privatentnahmen) sind ersetzt.
  • Alle Zahlen sind mit Ihren eigenen Werten ersetzt; die Beispielwerte sind erfunden.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Ursache Behebung
Liquiditätskurve fällt unter null Zu wenig Eigenkapital oder zu hohe Startkosten Eigenkapital erhöhen, Startkosten senken oder Finanzierung einplanen
Break-even liegt über der erwarteten Bestellzahl Deckungsbeitrag zu niedrig oder Fixkosten zu hoch Preise anpassen, Wareneinsatz senken oder Fixkosten reduzieren
Bestelltrichter bricht ab Conversion-Raten zu niedrig Warenkorb und Checkout prüfen, siehe Checkout gestalten
Rechnung passt nicht zur Buchhaltung Umsatzsteuer fehlt im Liquiditätsplan Umsatzsteuer als eigenen Posten einplanen; die Sätze regeln die Länderartikel

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie Rat, wenn Sie in mehrere Länder liefern und die Umsatzsteuer je Land anders ausfällt oder wenn Sie eine Finanzierung beantragen. Die Länderartikel zu Umsatzsteuer und die Steuerberatung beantworten das; hier steht nur die Rechnung.

Häufige Fragen

Wie viele Monate sollte der Finanzplan abdecken?

Die IHK empfiehlt, die ersten drei Jahre abzudecken und die ersten Monate monatlich zu gliedern. Die Beispielkurve zeigt die ersten Monate; das ist ein gewählter Planungsausschnitt, kein Beleg, dass danach kein tieferer Punkt mehr kommt. Die IHK empfiehlt, die Liquiditätsvorschau laufend zu aktualisieren, damit Sie einen späteren Tiefpunkt sehen und den Kapitalbedarf bestimmen.

Reich ich den Finanzplan der Bank vor?

Ja, wenn Sie eine Finanzierung beantragen. Die Bank prüft, ob die Liquidität ausreicht und ob das Eigenkapital angemessen ist. Die IHK empfiehlt, mindestens 15 Prozent Eigenkapital einzusetzen, um eine krisenfeste Finanzierung zu erreichen.

Was ist der Unterschied zwischen Deckungsbeitrag und Gewinn?

Der Deckungsbeitrag je Bestellung deckt die Fixkosten; der Gewinn ist der Betrag, der nach Abzug der Kosten übrig bleibt (Fixkosten, Zinsen, Abschreibungen). Die Tilgung gehört nicht dazu: Sie ist keine Kostenposition, sondern eine Auszahlung, die nach der IHK aus den Überschüssen aufzubringen ist und deshalb als eigener Posten in den Liquiditätsplan gehört. Der Deckungsbeitrag ist ein Zwischenschritt, der Gewinn das Endergebnis.

Quellen

  1. Der Geschäftsplan (Businessplan), Broschüre der IHK TrierIHK Trier · abgerufen am