Agentic Commerce
Kurz gesagt
Agentic Commerce: Ein KI-Agent kauft im Namen der Kundschaft – entweder über beschriebene Schnittstellen wie UCP, ACP und AP2 oder über Browser-Automatisierung, bei der er die Webseite wie ein Besucher bedient. Für den protokollgestützten Weg sind fünf getrennte Spezifikationen von Unternehmen und Konsortien veröffentlicht (UCP, ACP, AP2, MCP und A2A, Stand 14. Oktober 2026); keine davon ist ein staatlicher Rechtsakt, Länderfassungen haben sie nicht. Ungeklärt bleiben die Haftung bei Fehlbestellungen und die betriebliche Umsetzung der Mandatsprüfung; die Prüfregeln selbst stehen in AP2.
Das Wichtigste
- Agentenkäufe laufen über beschriebene Schnittstellen des Shops oder über Browser-Automatisierung; die Einführung des ACP nennt beide Wege.
- Fünf getrennte Spezifikationen sind veröffentlicht: UCP, ACP, AP2, MCP und A2A.
- ACP (Status Beta; ein Unternehmen für KI-Plattformen und eines für Zahlungsabwicklung) und UCP (Rat aus Handels- und Zahlungsunternehmen) decken den Kauf ab.
- AP2 regelt Zahlungsmandate; MCP und A2A liefern Werkzeuge und Agentenkontakt.
- Alle Fassungen sind datiert; ACP hat in seinen Fassungen bereits Breaking Changes ausgewiesen.
- Keine der Spezifikationen ist ein Rechtsakt; die Haftung bei Fehlbestellungen regeln sie nicht.
Definition
Agentic Commerce ist der Einkauf über einen KI-Agenten, der im Auftrag einer Person sucht, auswählt und bestellt. Dafür gibt es zwei Wege: Der Agent ruft die Funktionen auf, die der Händler in einer Spezifikation beschrieben hat – Katalogsuche, Warenkorb, Checkout und Zahlungsfreigabe –, oder er bedient die Webseite im Browser wie ein Besucher (Browser-Automatisierung). Die Einführung des ACP nennt beide Wege und grenzt den ersten von der Browser-Automatisierung ab; die folgenden Abschnitte betreffen den protokollgestützten Weg.
Welche Spezifikationen es gibt
Für die Schritte eines solchen Kaufs sind mehrere, getrennt entwickelte Dokumente veröffentlicht. Die Übersicht nennt, wofür sie stehen, wer sie trägt und welche Fassung wir am 14. Oktober 2026 geöffnet haben.
| Spezifikation | Wofür sie steht | Herausgeber | Fassung am 14. Oktober 2026 |
|---|---|---|---|
| Universal Commerce Protocol (UCP) | Katalog, Warenkorb, Checkout, Bestellstatus und Zahlung; ein Unternehmen erklärt seine Fähigkeiten in einem Profil | Rat aus Handels- und Zahlungsunternehmen, Apache-Lizenz 2.0 | v2026-08-25 |
| Agentic Commerce Protocol (ACP) | Checkout zwischen Agent und Händler: Sitzungen anlegen, ändern, abschließen; Katalogdaten über einen Feed | Ein Unternehmen für KI-Plattformen und eines für Zahlungsabwicklung; Status Beta | 2026-04-17 |
| Agent Payments Protocol (AP2) | Zahlungsfreigabe über Checkout- und Payment-Mandat samt Belegen | AP2-Projekt; Beitrag vom 28. April 2026 an die FIDO Alliance | v0.2.0 |
| Model Context Protocol (MCP) | Werkzeuge und Datenquellen für Sprachmodell-Anwendungen; dient als Transportweg | Projekt der Agentic AI Foundation unter der Linux Foundation | 2026-07-28 |
| Agent2Agent (A2A) | Agenten untereinander: Fähigkeiten veröffentlichen, Aufgaben delegieren | Projekt der Agentic AI Foundation | v1.0.1 |
Was diese Dokumente sind
Alle fünf sind Spezifikationen von Unternehmen und Konsortien unter offenen Lizenzen, keine Rechtsvorschriften und keine EU-Rechtsakte. Sie binden einen Shop nicht von Gesetzes wegen, sondern nur, wenn er sie selbst einsetzt oder eine Plattform, über die er verkauft, eine bestimmte Fassung verlangt. Die geöffneten Dokumente nennen keine Länderfassungen; sie beschreiben Schnittstellen, nicht die Ansprüche von Kundschaft. Die Aufnahme in einen Agentenkanal läuft zusätzlich über die Plattform: Nach den FAQ des ACP-Projekts muss sich ein Händler für die Teilnahme bewerben. Was ein Shop dafür vorbereiten muss, steht im Artikel Einkaufen mit KI-Agenten.
Ein Beispiel
Beispiel für den protokollgestützten Weg: Eine Kundin lässt ihren Assistenten Laufschuhe bis 120 Euro bestellen. Über die Katalogfunktion von UCP oder den Feed von ACP liest er Produktdaten und Preise, legt einen Warenkorb an und schließt die Checkout-Sitzung ab. Die Zahlung gibt er über ein Token (ACP) oder über die Mandate von AP2 frei: Das Checkout-Mandat hält fest, was gekauft werden darf, das Payment-Mandat autorisiert die Zahlung. Verkäufer und Merchant of Record bleibt nach beiden Spezifikationen der Shop.
Welche Fragen offen bleiben
- Wer ist Verkäufer, und was folgt daraus? ACP und UCP halten ausdrücklich fest, dass das Unternehmen Merchant of Record bleibt und die Kundenbeziehung behält. Die UCP-Checkout-Spezifikation führt Steuerzeilen, Pflichtlinks (Datenschutz, Vertragsbedingungen, Erstattung) und Hinweisfelder mit und lässt das Unternehmen selbst bestimmen, welche Hinweise für eine Sitzung gelten. Ob Ihre Rechnungen, Steuerangaben und Verbraucherinformationen den Regeln Ihres Landes genügen, prüfen die Dokumente nicht; diese Punkte gehören vor dem Start mit Ihrer Steuer- und Rechtsberatung geklärt.
- Welche Vollmacht hat der Agent? AP2 legt Bedingungen in das Mandat – etwa einen Betragsrahmen und zulässige Positionen – und sieht Mandats-Constraints vor, die Typ, Schema und Prüfalgorithmus festlegen; UCP bringt eine Einwilligungserweiterung mit. Die Prüfung selbst ist geregelt: Händler und Zahlungsseite müssen das Mandat prüfen, jede Constraint auswerten und bei fehlgeschlagener Prüfung einen Beleg mit Fehlermeldung zurückgeben; diese Prüfungen laufen in deterministischem Code. Offen bleibt die betriebliche Umsetzung: wie Ihr System eine abgelehnte Prüfung protokolliert und der Kundschaft meldet. Die Einzelheiten für Streitfälle, Aufbewahrung und Abruf erklärt AP2 ausdrücklich für nicht erfasst.
- Wer haftet bei einer Fehlbestellung? AP2 führt Mandate und Belege als Beweismittel für den Streitfall und weist den Rollen Prüfaufgaben zu; eine Verteilung der Haftung zwischen Kundschaft, Agent und Händler steht nicht darin. Die FIDO Alliance nennt fehlende belastbare Nachweise über die Absicht der Nutzenden als ungelöstes Problem (Meldung vom 28. April 2026).
- Welche Spezifikation setzt sich durch? ACP und UCP überschneiden sich in Teilen, sind aber getrennt, und AP2, MCP und A2A kommen als Bausteine dazu. Die Dokumente verweisen aufeinander: ACP nennt REST oder MCP als Wege, AP2 ordnet sich in die Landschaft aus A2A und MCP ein und empfiehlt UCP als Weg für neue Kaufabläufe, UCP führt REST, MCP, A2A und Embedded als Transportwege und AP2-Mandate und Einwilligung als Erweiterungen. Wer heute anbindet, wählt mit der Plattform auch deren Protokoll.
- Wie lange hält die Anbindung? Alle Fassungen sind datiert, ACP trägt den Status Beta und hat in seinen Fassungen bereits Breaking Changes ausgewiesen (etwa von 2025-12-12 auf 2026-01-30). UCP veröffentlichte 2026 vier Fassungen (11. Januar, 23. Januar, 8. April, 25. August), A2A steht bei v1.0.1 vom 28. Mai 2026, MCP bei der Fassung 2026-07-28. Planen Sie die Nachführung ein.
Nicht zu verwechseln mit
- Browser-Automatisierung: Der Agent steuert die Webseite wie ein Besucher über Klicks und Formulare. Diesen Weg grenzt ACP von seinem eigenen ausdrücklich ab; er braucht keine eigene Schnittstelle.
- MCP allein: MCP verbindet eine Sprachmodell-Anwendung mit Werkzeugen und Datenquellen. Kaufabschluss und Zahlungsfreigabe gehören nicht dazu; ACP und UCP nutzen MCP als einen möglichen Transportweg.
- KI-Suche: Sichtbarkeit in Antworten von Assistenten betrifft die Auffindbarkeit, nicht den Kaufabschluss. Siehe Generative Engine Optimization.