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Stammdaten-Audit: Datenqualität im Shop regelmäßig prüfen

Aktualisiert:

Gilt für: Onlineshops in Deutschland, Österreich und der Schweiz; das GS1-Framework ist eine freiwillige Best-Practice-Empfehlung, das Zahlenbeispiel ist erfunden

Kurz gesagt

Ein Stammdaten-Audit prüft Produktdaten an einer Stichprobe statt am ganzen Sortiment. Nach dem GS1 Data Quality Framework ergibt sich die Stichprobengröße je Stichprobengruppe aus Wurzel aus n plus 0,1 n, wobei n die Zahl der Artikel der Gruppe ist und gleiche Artikel als einer zählen. Verglichen werden Shop, Kanal, Warenwirtschaft und bei physischen Merkmalen das Produkt selbst. Die Methode ist eine GS1-Empfehlung und kein Gesetz; sie gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich, weil das Framework ein einziges internationales Dokument ist und nicht nach Land unterscheidet.

Das Wichtigste

  • Geprüft wird eine Stichprobe, nicht das ganze Sortiment; identische Artikel zählen als einer.
  • Stichprobengröße je Stichprobengruppe nach GS1: Wurzel aus n plus 0,1 n, mit n als Artikelzahl der Gruppe.
  • GTIN, Kanalfelder, Preis und Verfügbarkeit werden gegen das führende System verglichen.
  • Maße, Gewicht und Füllmenge vergleicht die Prüfperson mit dem physischen Produkt.
  • GS1-Orientierung für die Trefferquote (Abschnitt 5.4.4): ab 95 Prozent nahezu verlässlich, unter 75 Prozent überwiegend unzuverlässig.
  • Die Prüfung übernimmt eine Stelle mit ausreichender Unabhängigkeit, die an den ursprünglichen Messungen nicht beteiligt war (Abschnitt 4.2).

Ein Audit über das ganze Sortiment scheitert an der Zeit: Tausende Artikel mit Dutzenden Feldern lassen sich in einem Durchgang nicht kontrollieren. Ein Stammdaten-Audit prüft deshalb eine begründet gezogene Stichprobe und schließt von ihr auf die Datenqualität des Bestands.

Was Sie vorab brauchen

  • den Prüfumfang: Kanäle, Warengruppen und Zeitraum, für die die Aussage gelten soll
  • eine Merkmalsliste mit dem führenden System je Merkmal, siehe Preise und Stammdaten pflegen
  • eine Auswertung aller Artikel des Umfangs mit Artikelnummer, GTIN und Kanalstatus
  • Lesezugriff auf Shop, PIM, Warenwirtschaft und Kanalberichte, nicht nur auf die Anzeige
  • eine Prüfperson mit ausreichender Unabhängigkeit, die an den ursprünglichen Messungen nicht beteiligt war (Abschnitt 4.2)
  • für Maße, Gewicht und Füllmenge ein Maßband oder eine Lehre und eine Waage mit dokumentiertem Prüfstatus
  • eine Vorlage für Prüfbericht und Maßnahmenliste

Schritt für Schritt: Stichprobe ziehen und Daten prüfen

Schritt 1: Prüfumfang festlegen

Beginnen Sie mit dem Ausschnitt, nicht mit dem Werkzeug. Der Umfang bestimmt, welche Produktarten, Warengruppen und Merkmale geprüft werden; nach dem GS1 Data Quality Framework lässt er sich über Produktart, Produktionsort, Zielmarkt oder Kategorie abgrenzen (Abschnitt 4.3.1). Halten Sie schriftlich fest, was außerhalb bleibt: Ein enger Umfang, den Sie durchhalten, liefert mehr als der Versuch, das ganze Sortiment abzudecken.

Schritt 2: Sollwert und Prüfmethode je Merkmal bestimmen

Jedes Merkmal braucht eine Quelle, gegen die Sie es prüfen: Für Preise, Bestand und Kennungen ist das die Warenwirtschaft, für Texte und Bilder der Shop oder das PIM, für physische Eigenschaften das Produkt selbst.

Merkmalgruppe Beispielmerkmale Sollquelle Prüfmethode
Kennung GTIN, Artikelnummer GS1-Regeln, Warenwirtschaft Prüfziffer nachrechnen, Dubletten suchen
Inhalt der Ware Nettomenge, Füllmenge, Material das physische Produkt Packungsangabe mit dem Datenfeld vergleichen
Maße und Gewicht Höhe, Breite, Tiefe, Bruttogewicht das physische Produkt messen und wiegen
Kanalfelder Titel, Beschreibung, Bilder, Kategorie Kanalvorlage, Kanalbericht Bericht lesen, Artikelseite im Kanal aufrufen
Preis und Verfügbarkeit Verkaufspreis, Bestand, Lieferzeit führendes System Anzeige, Warenkorb, Bestellbestätigung, Rechnung vergleichen
Status aktiv oder ausgelaufen führendes System, Betrieb Artikelliste auf Enddatum prüfen

Ein Merkmal ohne Sollquelle lässt sich nicht prüfen.

Schritt 3: Stichprobe ziehen

  1. Listen Sie alle Artikel des Umfangs auf.
  2. Teilen Sie sie in Stichprobengruppen ein, also nach Merkmalen wie Produktart und Verpackung. Das Framework nennt als Beispiel für Handelseinheiten an Endkunden starre, flexible, hängende und zylindrische Verpackung sowie Mehrfachpackungen (Abschnitt 5.4.1).
  3. Berechnen Sie je Gruppe die Stichprobengröße mit der Formel Stichprobe = √n + 0,1 n, wobei n die Zahl der Artikel dieser Gruppe ist. Identische Artikel zählen als ein Artikel; das Framework gibt seine Beispielwerte in ganzen Artikeln an.

Das Framework nennt dazu unter anderem diese Beispielgrößen (Abschnitt 5.4.1):

Artikel in der Gruppe (n) Stichprobe
100 20
500 73
1.000 132
4.000 464
  1. Wählen Sie die Artikel zufällig aus, etwa mit einer Zufallsfunktion der Tabellenkalkulation, nicht nach Sichtbarkeit oder Umsatz, und verteilen Sie die Auswahl über die Verpackungsarten der Gruppe. Als Prüfeinheit kann ein Artikel gelten oder eine Kombination aus GTIN, Standort und Zielmarkt (Abschnitt 4.3.2).

Die Formel ist eine GS1-Empfehlung, keine Pflicht; das Framework bezeichnet das Prüfverfahren selbst als freiwillig (Abschnitt 4.1). Halten Sie das gewählte Verfahren fest; zwei Audits mit verschiedener Methode lassen sich nicht vergleichen.

Schritt 4: Jeden Prüfpunkt abarbeiten

Die Prüfliste zeigt, was gegen was geprüft wird. Die GTIN-Prüfziffer prüfen Sie nach der Regel der General Specifications: Gewichten Sie die Stellen ohne die letzte Ziffer von rechts abwechselnd mit 3 und 1, beginnend mit 3, und ziehen Sie die Summe von dem nächsten gleichen oder höheren Vielfachen von 10 ab; die Differenz ist die Prüfziffer (Abschnitt 7.9.1).

Prüfpunkt So prüfen Sie Bestanden, wenn
GTIN-Prüfziffer letzte Ziffer nachrechnen Prüfziffer stimmt, führende Nullen im Datenfeld einheitlich (Abschnitt 1.3.1)
Kennung je Variante GTIN-Liste auf doppelte Nummern durchsuchen jede Größe und Farbe hat eine eigene Nummer (Abschnitt 2.6.7.3.1)
Nettomenge und Einheit Packungsangabe mit Datenfeld vergleichen Wert, Einheit und Bezugsmenge stimmen
Maße und Gewicht messen und wiegen Abweichung innerhalb Ihrer festgelegten Toleranz
Kanalfelder Kanalbericht und Artikelseite öffnen alle geforderten Felder gefüllt und formgültig
Titel und Beschreibung Text lesen keine Platzhalter, Mengenangabe passt zur Nettomenge
Bilder Bild öffnen Artikelbild vorhanden und in der geforderten Größe
Preis Anzeige, Warenkorb, Bestellbestätigung, Rechnung vergleichen derselbe Betrag in derselben Währung
Verfügbarkeit Bestand im führenden System mit der Anzeige vergleichen kein Widerspruch
Status Artikelliste prüfen ausgelaufene Artikel tragen ein Enddatum, aktive sind bestellbar

Notieren Sie je Prüfpunkt den Wert im führenden System, den abweichenden Wert und die Stelle. „Falsch“ ohne Fundstelle lässt sich nicht beheben.

Schritt 5: Trefferquote berechnen

Zählen Sie geprüfte und richtige Werte und bilden Sie daraus die Quote. Das GS1-Framework führt dafür ein KPI-Modell mit Gesamtgenauigkeit, Merkmalsgenauigkeit, Maß- und Gewichtsgenauigkeit, Hierarchiegenauigkeit und dem Anteil aktiver beziehungsweise bestellbarer Artikel (Abschnitt 5.4.5). Die Kennzahlen unten übertragen dieses Modell auf den Shop und sind insoweit eigene Definitionen:

Kennzahl Berechnung Was sie zeigt
Merkmalsgenauigkeit richtige Werte ÷ geprüfte Werte × 100 Anteil richtiger Angaben
Maß- und Gewichtsgenauigkeit Werte innerhalb der Toleranz ÷ gemessene Werte × 100 ob physische Angaben zum Produkt passen
Statusgenauigkeit bestellbare Artikel oder Artikel mit korrektem Enddatum ÷ geprüfte Artikel × 100 ob der Katalogstatus passt

Als Orientierung nennt das Framework: ab 95 Prozent nahezu verlässlich, von 75 bis unter 95 Prozent deutlich verbesserungsbedürftig, unter 75 Prozent überwiegend unzuverlässig (Abschnitt 5.4.4). Das sind Orientierungswerte, keine Vorgabe; Sie können eigene Ziele setzen.

Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Der Prüfumfang umfasst 4.000 Artikel, nach der Beispieltabelle des Frameworks also eine Stichprobe von 464 Artikeln. Geprüft werden sechs Merkmale je Artikel, also 2.784 Werte. Davon sind 195 falsch.

Kennzahl Rechnung Ergebnis
Merkmalsgenauigkeit 2.589 ÷ 2.784 × 100 93,0 Prozent
Maß- und Gewichtsgenauigkeit 39 ÷ 60 × 100 65,0 Prozent
Kennungsgenauigkeit (GTIN) 456 ÷ 464 × 100 98,3 Prozent

Die Gesamtquote verdeckt das schwache Feld: Die Maßangaben liegen mit 65,0 Prozent weit unter der Orientierung von 95 Prozent. Priorisieren Sie nach der größten absoluten Lücke, nicht nach der niedrigsten Prozentzahl allein.

Schritt 6: Bericht schreiben und Fehler nachverfolgen

Der Bericht folgt einer festen Gliederung: Zusammenfassung mit Artikelzahl und Trefferquote, Umfang, Referenzdokumente mit Version, Ergebnisse je Artikel, Maßnahmenplan und Anhänge (Abschnitt 5.4.3).

Tragen Sie zu jedem falschen Wert eine verantwortliche Rolle, eine Frist und eine Gegenprüfung ein. Das Framework empfiehlt, Berichte bis zum nächsten Bericht aufzubewahren, oder fünf Jahre, wenn keine weitere Prüfung folgt (Abschnitt 4.5). Für die laufende Messung ohne manuelle Sichtung beschreibt Produktdatenqualität messen die Kennzahlen.

So prüfen Sie das Ergebnis

  • Der Prüfumfang ist festgehalten und die Stichprobe mit der Formel nachvollziehbar berechnet.
  • Zu jedem Prüfpunkt stehen der Wert im führenden System, der abweichende Wert und die Fundstelle.
  • Die Prüfperson ist ausreichend unabhängig und war an den ursprünglichen Messungen nicht beteiligt (Abschnitt 4.2).
  • Jede Kennzahl nennt Artikelzahl, Feldzahl und Stichtag.
  • Für jeden falschen Wert gibt es eine verantwortliche Rolle und eine Frist.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Ursache Behebung
Die Stichprobe enthält nur Bestseller Auswahl nach Sichtbarkeit statt Zufall Auswahl mit einer Zufallsfunktion wiederholen
Die Trefferquote steigt, es kommen aber weiter Reklamationen nur der Shop geprüft, Kanal und Rechnung nicht Prüfumfang auf Kanal und Bestellbestätigung erweitern
Maße weichen regelmäßig ab keine festgelegte Toleranz und kein geprüftes Messgerät Toleranz festlegen, Waage und Lehre prüfen lassen
Dieselbe GTIN steht auf zwei Artikeln Nummer beim Anlegen kopiert je Handelseinheit eine eigene Nummer vergeben (Abschnitt 2.6.7.3.1)
Nach dem Audit ändert sich nichts kein Maßnahmenplan mit Frist je Fehler Verantwortliche und Termin im Bericht festhalten

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie Unterstützung, wenn niemand unabhängig von den angelegten Werten prüfen kann, wenn Maße und Gewicht viele Verpackungsarten betreffen und kein geprüftes Messgerät vorhanden ist, oder wenn das Audit eine Zusage gegenüber einem Kanal belegen soll. Für die Übertragung zwischen zwei Systemen hilft Datensynchronisation zwischen Systemen, für die Auswahl eines PIM Wann ein PIM-System lohnt.

Häufige Fragen

Muss ich für ein Audit das ganze Sortiment prüfen?

Nein. Eine begründet gezogene Stichprobe trägt die Aussage über den Bestand, wenn Sie die Auswahl dokumentieren. Prüfen Sie alle Artikel nur bei einem besonderen Anlass, etwa nach einem Systemwechsel. Eine Vollprüfung bindet die Prüfperson lange und liefert ein Ergebnis, das beim Abschluss schon teilweise veraltet ist.

Wie oft soll ich Produktdaten prüfen?

Legen Sie einen festen Rhythmus fest und prüfen Sie zusätzlich nach einem Ereignis. Das GS1-Framework nennt als Beispiele monatliche Zufallsprüfungen an bestehenden Artikeln und vierteljährlich festgelegte KPI-Werte (Abschnitt 2).

Wer darf die Prüfung durchführen?

Das GS1-Framework verlangt eine Prüfstelle mit ausreichender Unabhängigkeit, damit sie objektiv urteilen kann, und eine Prüfperson, die an den ursprünglichen Messungen nicht beteiligt war (Abschnitt 4.2). Wer die geprüften Werte selbst angelegt oder gemessen hat, prüft sie deshalb nicht selbst; in kleinen Teams genügt eine zweite Person aus einer anderen Rolle.

Zählen gleiche Artikel mehrfach in der Stichprobe?

Nein. In der Formel zählt eine Handelseinheit einmal; identische Artikel zählen als ein Artikel (Abschnitt 5.4.1). Varianten mit eigener GTIN sind dagegen eigene Artikel, deshalb wächst die Stichprobe mit der Zahl der Varianten. Siehe dazu [Produktvarianten modellieren](/aufbau/produktvarianten-modellieren-shop/).

Reicht die Prüfung im Shop?

Nein. Dieselbe Angabe erscheint zusätzlich im Kanal und in der Bestellbestätigung. Prüfen Sie den Kanalfeed getrennt, weil er eigene Vorlagen und eigene Übertragungswege hat. Was Marktplätze verlangen, steht unter [Produktdaten für Marktplätze](/kanaele/marktplatz-produktdaten-pflichtfelder/).

Quellen

  1. GS1 Data Quality Framework Version 3.0, Issue 2 (Oktober 2010), Abschnitte 2, 4 und 5.4.1 bis 5.4.6 (Stichprobe, Prüfverfahren, KPI-Modell, Zielwerte), aus dem Data-Quality-Framework-Paket v3.0GS1 AISBL · abgerufen am
  2. GS1 General Specifications Standard, Release 26.0, Ratified, January 2026 (Abschnitte 1.3.1, 2.6.7.3.1 und 7.9.1)GS1 AISBL · abgerufen am