Shopsystem für die Startphase: Was Gründer wirklich brauchen
Kurz gesagt
Für die Startphase genügt ein Shopsystem, das Katalog mit Varianten, Bestellabschluss ohne Kundenkonto, mindestens zwei Bezahlwege, Versandregeln, Rechnung und einen vollständigen Datenexport abdeckt. Jede weitere Funktion bekommt einen vorher festgelegten Auslöser, etwa eine Bestellzahl oder eine zweite Person, und wird vorher auf laufende Kosten und Einrichtungsaufwand geprüft. Kalkulieren Sie den Kapitalbedarf mit einer Reserve; der Gründerservice der Wirtschaftskammer Österreich empfiehlt dafür etwa zehn Prozent.
Das Wichtigste
- Startphase in diesem Artikel: wenige Bestellungen im Monat, eine Person für alles, kleines Budget (unsere Umschreibung).
- Mindestausstattung: Katalog mit Varianten, Kasse ohne Kundenkonto, zwei Bezahlwege, Versandregeln, Rechnung, editierbare Seiten, Datenexport.
- Jeder Ausbaustufe einen Auslöser voranstellen: Bestellzahl, zweite Person im Betrieb, zweites Land im Versand.
- Die Handel-Checkliste des BMWK-Existenzgründungsportals führt ein Shop-System mit Schnittstellen zu Einkauf, Vertrieb und Bezahlung als Prüfpunkt.
- Der Gründerservice der Wirtschaftskammer Österreich empfiehlt für den gesamten Kapitalbedarf eine Reserve von etwa zehn Prozent.
- Das KMU-Portal des SECO rät in einem Gespräch vom 2. September 2026, den Shop nach dem Start nicht als abgeschlossenes Projekt zu behandeln.
Wer mit kleinem Budget startet, muss nicht das Shopsystem für die nächsten fünf Jahre wählen, sondern die Ausstattung, die die ersten Bestellungen trägt. Jede zusätzliche Funktion ist ein Prüfpunkt: ob sie im Preis enthalten ist, ob sie laufende Kosten verursacht und wie viel Einrichtungsaufwand sie erzeugt. Der Artikel legt die Mindestausstattung fest, verbindet jede Stufe mit einem Auslöser und rechnet ein Beispiel.
Was die Startphase ausmacht
Die Startphase umschreiben wir mit drei Merkmalen: wenige Bestellungen im Monat, dieselbe Person pflegt Produkte und packt Pakete, und das Budget deckt nur einen Teil des später nötigen Aufwands. Das Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz rechnet zur Anlaufphase die Ausgaben bis zum ersten Geldeingang aus Umsatz; das Formular verlangt dafür einen bestimmten Zeitraum und nennt als Beispiel drei Monate (Checkliste Kapitalbedarf, Stand Dezember 2025).
Vor der Anschaffung rät die IHK für München und Oberbayern, auf vorhandenen Verkaufsplattformen zu prüfen, wie gut ein Produkt für den Online-Verkauf geeignet ist; dort lassen sich Nachfrage und Preis ohne ein eigenes System testen. Zur Größenordnung nennt ein am 2. September 2026 veröffentlichtes Gespräch auf dem KMU-Portal des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) den Satz: “Die Einrichtung eines Onlineshops kostet heute nur noch einige hundert bis einige tausend Franken pro Jahr.” Das ist die Einschätzung des Gesprächspartners Darius Zumstein (Fachhochschule Nordwestschweiz), keine Preistabelle.
Die Mindestausstattung für den Start
Die Tabelle nennt sieben Funktionen für die Startphase, je einen Prüfschritt im Testzugang und den Auslöser für die nächste Stufe.
| Funktion | Wofür sie in der Startphase da ist | So prüfen Sie das im Testzugang | Ausbaustufe, wenn dieser Auslöser eintritt |
|---|---|---|---|
| Katalog mit Varianten | Produkte anlegen, je Variante (Größe, Farbe) einen eigenen Bestand führen | Ein Produkt mit zwei Varianten anlegen, eine verkaufen und die Produktseite auf dem Smartphone öffnen | Warenwirtschaft, sobald Bestände an mehreren Orten liegen oder beim Lieferanten bestellt wird |
| Kasse mit Gastbestellung | Kunden bestellen ohne Konto; Warenkorb, Lieferadresse und Bezahlung in einem Ablauf | Selbst ohne Konto bestellen und die Pflichtfelder notieren | Kundenkonten, sobald Stammkunden wiederkehrend bestellen (Preislisten, Bestellhistorie) |
| Mindestens zwei Bezahlarten | Eine Karte über einen Zahlungsdienstleister und ein Weg ohne Karte (Vorkasse, Kauf auf Rechnung) | Je Bezahlart eine Testbestellung; schriftlich fragen, wer die Kartendaten verarbeitet | Weitere Bezahlarten, sobald Bestellungen im eigenen Bericht vor der Bezahlung abbrechen |
| Versand- und Lieferregeln | Versandkosten nach Gewicht oder Warenwert, Lieferzonen Deutschland/Österreich/Schweiz, Sendungsverfolgung | Zwei Testkörbe, leicht und schwer, bestellen und den angezeigten Betrag je Land vergleichen | Anbindung von Versanddienstleistern, sobald das Etikettieren länger dauert als das Packen |
| Rechnung und Datenexport | PDF-Rechnung je Bestellung; Ausgabe von Produkten, Kundschaft und Bestellungen | Die Testbestellungen in das Format des Buchhaltungsprogramms ausgeben | Schnittstelle zur Buchhaltung, sobald der Export monatlich nachgearbeitet wird |
| Editierbare Seitenvorlagen | Seiten für Anbieterangaben, Widerruf und Datenschutz; die Texte ersetzen Sie durch Ihre eigenen und je Land passende | Im Testzugang sehen, wo die Vorlage diese Seiten anlegt und ob die Texte vollständig ersetzbar sind | Texte je Land, sobald Sie in ein zweites Land verkaufen; den Inhalt klären Sie mit Ihrer Beratung |
| Betrieb und Ausstieg | Vertragslaufzeit, Verfügbarkeitszusage, Datensicherung und vollständiger Export | Schriftlich nach Exportformat, Kündigungsfrist und Preisanpassung nach der Mindestlaufzeit fragen | Rollen und Rechte, sobald eine zweite Person Bestellungen bearbeitet |
Die Auswahl ist unsere redaktionelle Setzung; die Prüfspalte ist ein Testplan, keine Zusage des Anbieters. Für die letzte Zeile nennt die IHK-Auswahlhilfe für Software vier Größen: Integration mit vorhandenen Systemen, IT-Sicherheit, Support und Update-Politik sowie die laufenden Kosten neben dem Anschaffungspreis.
Auslöser statt Wunschliste
Prüfen Sie bei jeder zusätzlichen Funktion, ob sie im Preis enthalten ist, laufende Kosten verursacht oder Einrichtungsaufwand erzeugt. Der IHK-Ratgeber zur Softwareauswahl empfiehlt dafür einen Kostenvergleich, der neben dem Anschaffungspreis auch laufende Posten wie Lizenzgebühren, Wartung oder Schulungen erfasst. Verbinden Sie deshalb jede Stufe mit einem Auslöser, den Sie beobachten können, und notieren Sie ihn mit Zahl und Datum. Drei Auslöser genügen für den Anfang: eine Bestellzahl, eine zweite Person im Betrieb und ein zweites Land im Versand.
Die Handel-Checkliste des BMWK-Existenzgründungsportals führt die späteren Anforderungen auf: Schnittstellen zum automatisierten Einkauf, Vertrieb und Bezahlung, eine Darstellung, die auch auf dem Smartphone funktioniert, und mehr als eine Bezahlart (GründerZeiten Nr. 21). Solche Punkte gehören in eine Ausbaustufe, solange Ihr Volumen sie nicht trägt.
Ein Rechenbeispiel
Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen, alle Beträge ohne Umsatzsteuer.
| Posten | Start | Mit erster Ausbaustufe |
|---|---|---|
| Abo des Shopsystems je Monat | 29 Euro | 29 Euro |
| Erweiterung Rechnung als PDF je Monat | 10 Euro | 10 Euro |
| Domain für 15 Euro im Jahr, je Monat | 1,25 Euro | 1,25 Euro |
| Anpassung der Vorlage für 250 Euro, auf 24 Monate | 10,42 Euro | 10,42 Euro |
| Warenwirtschaft und Paketmarken je Monat | – | 85 Euro |
| Summe je Monat | 50,67 Euro | 135,67 Euro |
Die Ausbaustufe kostet 85 Euro mehr im Monat. Braucht das Etikettieren von Hand eine Minute je Bestellung, fallen bei 300 Bestellungen im Monat 300 Minuten an, also fünf Stunden; zu einem angenommenen Stundensatz von 20 Euro sind das 100 Euro. Die Stufe trägt sich damit ab 85 geteilt durch 0,3333 Euro je Minute, also ab 255 Bestellungen im Monat. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein, und lassen Sie den Zahlungsdienstleister die erfolgsabhängigen Posten nennen: Prozentsatz, Festbetrag und Monatsgebühr.
Typische Fehler
- Nach der Funktionsliste des Anbieters auswählen. Wer mit fremden Listen beginnt, kauft Funktionen, die der eigene Ablauf nicht braucht; die IHK-Auswahlhilfe setzt darum die eigenen Anforderungen an den Anfang.
- Die Nachfrage nicht vorher testen. Ein Test über eine vorhandene Plattform zeigt vor der Entscheidung, ob Produkt und Preis tragen (Ratgeber der IHK für München und Oberbayern).
- Unterkapitalisiert starten. Der Gründerservice der Wirtschaftskammer Österreich empfiehlt für den gesamten Kapitalbedarf eine Reserve von etwa zehn Prozent; der Kapitalbedarfsplan des BMWK-Existenzgründungsportals führt eine Zeile ‘Reserve für Startphase, Folgeinvestitionen und Unvorhergesehenes’.
- Den Shop als einmaliges Projekt behandeln. Das KMU-Portal des SECO empfiehlt, nach dem Start Kundenbedarf, Produkte und Kanäle weiter zu prüfen.
- Vor dem ersten Verkauf anpassen lassen. Änderungen an Vorlage und Kasse kosten Stunden, bevor Umsatz da ist; die IHK-Auswahlhilfe fragt, ob eine individuell hergestellte Software nötig ist.
- Monatspreis und Gesamtkosten verwechseln. Die Rechnung über die geplante Laufzeit steht unter Gesamtkosten eines Shopsystems.
So gehen Sie vor
- Schreiben Sie den Weg einer Bestellung in fünf Zeilen auf, vom Eingang bis zum versandten Paket.
- Testen Sie Nachfrage und Preis auf einer vorhandenen Plattform, bevor Sie ein System kaufen.
- Prüfen Sie die sieben Punkte der Mindestausstattung in einem Testzugang mit je einer Testbestellung und lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben.
- Rechnen Sie den Kapitalbedarf mit Reserve sowie die laufenden und die erfolgsabhängigen Posten durch; die Checklisten des BMWK-Existenzgründungsportals und die WKO-Roadmap geben die Zeilen vor.
- Notieren Sie zu jeder Ausbaustufe den Auslöser mit Zahl und Datum, und holen Sie Angebote erst, wenn er eintritt. Das Vorgehen ohne Ranking steht unter Shopsysteme vergleichen.
- Klären Sie die Pflichten Ihres Landes mit Ihrer Beratung; die Rechtsartikel des Kompendiums nennen die Quellen, etwa Impressum im Onlineshop in Deutschland, Widerrufsrecht im Onlineshop in Österreich und Datenschutzerklärung im Onlineshop in der Schweiz.