Zahlungsanbieter für Erotik- und Adult-Shops
Kurz gesagt
Ob ein Zahlungsanbieter einen Erotik- oder Adult-Shop annimmt, hängt an Ware und Angebot: Adyen und Klarna führen körperliche Erotikartikel als eingeschränkte Kategorie mit Einzelfallprüfung, Stripe und PayPal nennen sexuell orientierte Artikel und Dienste in ihren Ausschlusslisten. Pornografische Inhalte und erotische Dienste sind verboten oder nur mit Genehmigung möglich; maßgeblich ist die aktuelle Liste des Anbieters (DACH, Stand Oktober 2026).
Das Wichtigste
- Prüfmaßstab sind drei getrennte Gruppen: Erotikartikel als Ware, erotische Inhalte und persönliche Erotikdienste.
- Visa führt Erotik als eigene Kategorie: Merchant Category Code 5967 (Adult Content and Services) für erotische Inhalte und Dienste.
- Stripe schließt Adult Content and Services aus; die FAQ von Stripe zählt auch «sexually oriented items» dazu.
- PayPal verbietet bestimmte sexuell orientierte Materialien und Dienste und lässt digitalen Adult-Inhalt nur nach vorheriger Genehmigung zu.
- Klarna verbietet Prostitution, Escort und erotische Massage; Adult-Produkte und -Dienste sind eine eingeschränkte Kategorie.
- Adyen führt Adult-Waren als eingeschränkt, Fetish-Produkte und sexuelle Inhalte als verboten.
Zahlungsanbieter entscheiden nicht über eine ganze Branche, sondern über einzelne Kategorien. Ein Versandhändler für Sexspielzeug und Dessous fällt unter eine andere Kategorie als ein Anbieter, der erotische Filme als Abonnement streamt oder erotische Massagen vermittelt. Prüfen Sie deshalb zuerst, welche dieser Kategorien Ihr Sortiment trifft, und lesen Sie danach die aktuelle Liste des Anbieters.
Warum Ware, Inhalt und Dienst getrennt zählen
Die hier geöffneten Richtlinien lassen sich auf drei Gruppen beziehen:
- körperliche Erotikartikel: Sexspielzeug, Dessous, Gleitmittel und ähnliche Waren,
- erotische Inhalte: Filme, Bilder, Streaming und Live-Cams, auch als Abonnement,
- persönliche Erotikdienste: Prostitution, Escort, erotische Massage und Fetisch-Dienste.
Diese Einteilung ist unsere Arbeitsgrundlage für den Vergleich unten; die Anbieter verwenden teils eigene Bezeichnungen und entscheiden über den Einzelfall. Dieselbe Ware kann beim einen Anbieter in eine eingeschränkte Kategorie fallen und beim anderen ausgeschlossen sein. Verlässlich ist nur die Zuordnung, die der Anbieter für Ihr Geschäft schriftlich bestätigt. Wie ein Erotikshop Versand und Altersnachweis regelt, steht unter Erotikartikel online verkaufen.
Zwei Begriffe kehren in den Listen wieder. “Verboten” (englisch prohibited) heißt: Der Anbieter nimmt die Kategorie nicht an. “Eingeschränkt” (restricted) heißt: Der Anbieter prüft den Einzelfall, verlangt Unterlagen und kann ablehnen.
Die Richtlinien im Vergleich
Die Tabelle gibt je Anbieter die Rolle, die Behandlung der drei Gruppen und die Fassung wieder, die wir geöffnet haben. Sie nennt die Anbieter mit öffentlich zugänglichen Kategorienlisten, sie ist keine vollständige Marktübersicht und keine Rangfolge, und sie ersetzt keine Prüfung der aktuellen Liste.
| Anbieter | Rolle | Erotikartikel (Waren) | Erotische Inhalte und Dienste | Quelle (Stand) |
|---|---|---|---|---|
| Stripe | Zahlungsdienstleister | Verbotsliste “Adult content and services”; die FAQ nennt auch “sexually oriented items” | verboten: Pornografie und andere Inhalte für Erwachsene, Prostitution, Escort, Live-Chat, erotische Massage | Stripe, eingeschränkte und untersagte Geschäfte, 22. September 2026 |
| PayPal | Zahlungsdienstleister | verboten: “bestimmte sexuell orientierte Materialien oder Dienste” | digitaler Adult-Inhalt (Video-on-Demand, Webcam) genehmigungspflichtig; länderspezifische Beschränkungen möglich | PayPal-Nutzungsrichtlinie, deutsche Fassung, 17. Juli 2023 |
| Klarna | Zahlungsdienstleister | eingeschränkt: “Adult, sexual or pornographic products and services”, Prüfung im Einzelfall | eingeschränkt in derselben Kategorie; verboten: Prostitution, Escort, erotische Massage | Klarna Docs, Prohibited and restricted businesses, ohne Datum, abgerufen am 17. Oktober 2026 |
| Shopify Payments | Zahlungsabwicklung des Shopsystems | Als “Adult products” führt die Liste Produkte oder Dienste mit sexuell explizitem Inhalt (etwa Adult-Videos, Pay-per-View-Inhalte, Adult-Magazine); körperliche Erotikartikel sind damit nicht pauschal erfasst. Welche Liste gilt, steht beim zugeordneten Abwickler und weicht je Region ab | wie beim zugeordneten Abwickler | Shopify Payments eligibility, ohne Datum, abgerufen am 17. Oktober 2026 |
| Adyen | Acquirer (Vertrag über die Kartenannahme) | eingeschränkt: “Adult goods (excluding fetish products)”; verboten: “Fetish products” | verboten: Inhalte “of a sexual nature” und Erotik-Entertainment wie Clubs, Escort und erotische Massage | Adyen, Prohibited and Restricted Products and Services, 13. November 2025 |
Was die Kartenorganisationen vorgeben
Kartenzahlungen laufen nach den Regeln der Kartenorganisationen, und dort ist Erotik eine eigene Kategorie. Das Merchant Data Standards Manual von Visa beschreibt den Merchant Category Code 5967 (Adult Content and Services) für Händler, die erotische Inhalte und Dienste per Telefon, Fax oder über das Internet verkaufen, darunter Website-Abos, Video-Streaming und Audio-Text; die Kategorie führt dort den Zusatz “Digital Adult Content Merchants”.
Diese Regeln binden über den Vertrag mit dem Zahlungsanbieter oder dem Acquirer, nicht als Gesetz.
Die Visa Core Rules verpflichten den Acquirer, also die Händlerbank, und nicht den Shop unmittelbar. Nach Ziffer 1.5.2.1 muss der Händlervertrag die Vorgaben aus Abschnitt 3.1.1 des Visa Integrity Risk Program Guide enthalten, wenn der Händler ein Anbieter von Adult-Inhalten mit dem Code 5967 ist. Nach Ziffer 1.9.2.1 muss der Acquirer sicherstellen, dass ein solcher Händler keine Kartenzahlungen annimmt, solange er diese Vorgaben nicht erfüllt. Ob und zu welchen Bedingungen ein Acquirer Erotik zulässt, entscheidet er danach und nach eigener Risikopolitik; sichtbar wird das für Sie im Vertrag.
Wie die Zuordnung im Alltag ausfällt
Drei Fälle, jeder mit den Bedingungen aus den geöffneten Quellen:
Ein Shop verkauft nur Sexspielzeug und Dessous und versendet per Post. Adyen führt Adult-Waren ohne Fetish-Produkte als eingeschränkte Kategorie mit zusätzlichen Unterlagen und verbietet Fetish-Produkte. Stripe nennt Adult-Inhalte und -Dienste in der Verbotsliste, und die FAQ von Stripe zählt “sexually oriented items” dazu. Ob Ihr Sortiment darunterfällt, kann nur der Anbieter verbindlich sagen.
Ein Shop verkauft ein Streaming-Abo für erotische Filme. Hier greifen mehrere Regeln gleichzeitig: Visa beschreibt dafür den Code 5967, Stripe schließt “adult content and services” aus, Adyen verbietet Inhalte “of a sexual nature”, und PayPal führt “nicht jugendfreie Inhalte” als genehmigungspflichtige Kategorie. Ohne Genehmigung ist die Kategorie bei PayPal nicht nutzbar.
Ein Shop vermittelt erotische Massagen oder Escort. Klarna verbietet diese Dienste ausdrücklich, Adyen ebenfalls (Erotik-Entertainment), und PayPal nennt “bestimmte sexuell orientierte Materialien oder Dienste” unter den verbotenen Aktivitäten.
Eine erteilte Freigabe bei einem Anbieter ist keine Zusage für Ihren Fall. Klarna kann eine Freigabe nach eigenem Ermessen ändern oder widerrufen, und die Zahlungsabwickler dürfen ihre Listen jederzeit ohne Mitteilung anpassen (Shopify Payments Terms of Service).
Typische Fehler
- Nur die Preisseite des Anbieters lesen. Die Kategorien stehen in einem eigenen Dokument; nach den Shopify Payments Terms of Service darf der Zahlungsabwickler die Liste jederzeit ohne Mitteilung ändern.
- “Eingeschränkt” für “erlaubt” halten. Eine eingeschränkte Kategorie verlangt Unterlagen und eine Einzelfallprüfung; ohne Freigabe ist die Zahlart nicht nutzbar.
- Nur das Shopsystem fragen. Shopify Payments verweist für gesperrte Kategorien auf den zugeordneten Abwickler; in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind das Stripe, PayPal und Adyen, jeweils mit eigener Liste.
- Ware und Inhalt als eine Kategorie behandeln. Adyen trennt Adult-Waren (eingeschränkt) von Inhalten (verboten); ein Sortiment aus Waren kann damit anders ausfallen als ein Abo für Filme.
- Ohne Ausweichmöglichkeit starten. Verstöße gegen die Klarna-Regeln können nach den Klarna-Bedingungen zur Aussetzung oder Kündigung führen. Eine zweite Zahlart, die nicht am Kartenverfahren hängt, ist für diesen Fall eine Vorsorge; sie garantiert nicht, dass der Shop weiter kassieren kann.
So prüfen Sie die Zulassung
- Ordnen Sie jede Produktgruppe Ihres Sortiments einer der drei Gruppen zu.
- Suchen Sie die aktuelle Kategorienliste des Anbieters und notieren Sie das Datum, das auf der Seite steht.
- Klären Sie im Vertrag, welche Rolle der Anbieter hat; die Unterschiede beschreibt Acquirer und PSP.
- Fragen Sie schriftlich, in welche Kategorie Ihr Sortiment fällt, und lassen Sie sich eine Freigabe bestätigen.
- Prüfen Sie die Antwort gegen die Liste; eine mündliche Zusage genügt nicht als Nachweis.
- Legen Sie vor dem Start eine zweite Zahlart und einen Ausstiegsweg fest; die Kriterien dafür stehen unter Zahlungsdienstleister wählen.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz
Die Kategorienlisten der Zahlungsanbieter sind eigene Dokumente, und welche Fassung gilt, hängt am Land und am Anbieter. Shopify schreibt in der Eligibility-Seite, dass die Liste je Region abweicht und die Kategorien von dem Abwickler stammen, der dem eigenen Land («Designated Country») zugeordnet ist; die verlinkten Vertragswerke sind je Land eigene Fassungen, und auch die Nutzungsrichtlinie von PayPal ist je Land gefasst (paypal.com/de, paypal.com/at, paypal.com/ch). Prüfen Sie deshalb die Fassung, die für Ihr Land ausgewiesen ist, und nicht die eines anderen Landes. Der Unterschied liegt außerdem beim Vertragspartner: In der Prozessorliste von Shopify Payments stehen für Deutschland und Österreich Stripe Payments Europe, PayPal (Europe) S.à r.l. et Cie, S.C.A. und Adyen N.V.; für die Schweiz dieselben drei, wobei PayPal dort über PayPal Pte. Ltd. auftritt. Wer Shopify Payments nutzt, prüft deshalb die Liste genau des Abwicklers, der dem eigenen Land zugeordnet ist.